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Pornodarsteller Jean Pallett: Die Zeiten der Pornostars sind vorbei!

Kategorie: Interviews | Freitag, 30. Januar 2015 von Chris Heartcore
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Pornostar Jean Pallett im Interview (Foto: Jean Pallett)

Er gehört zu den dienstältesten Pornodarstellern Deutschlands, und erhielt kürzlich den begehrten Erotic Lounge Award als „Bester Darsteller“: Jean Pallett! Wir haben den Gewinner für euch zum Interview gebeten. Erfahrt warum für Jean die Zeit der Pornostars in Deutschland vorbei ist, was das abgefahrenste Erlebnis für ihn am Set war und wie man(n) beim Dreh seinen Mann stehen kann! All das und noch viel mehr hier im Interview!

Hi Jean, wie geht es dir!

Hi! Danke gut, ich kann nicht klagen!

2014 gab es für dich den Venus Award und jetzt auch noch den Erotic Lounge Fan Award: Wie fühlt sich so ein Jahr voller Auszeichnung an?

Der Unterschied vom Erotic Lounge Fan Award zum Venus Award ist, dass man – wie der Name schon sagt – von den Fans gewählt wird. Das ist schon etwas ganz besonders! Früher hat man als Darsteller wenn man gut war, oder viel in den (Print-)Medien,  mal ab und zu einen Leserbriefe bekommen, aber eigentlich nie so den „direkten“ Kontakt zu seinen Fans gehabt. Bei dem Erotic Lounge Fan Award sieht man gleich wie viele tausende Fans sich für dich eingesetzt haben, weil sie wollen dass du für deine Leistungen die Auszeichnung erhältst. Hier setzen sich andere für dich ein… ein tolles Gefühl. Bei den Venus Awards setzt du dich ja praktisch selbst ein, bis du vielleicht einmal einen Preis verliehen bekommst. Bei mir hat es 20 Jahre gedauert. (lacht)

Erotic Lounge Awards-Gewinner Jean Pallett (Foto: Jean Pallett)Du bist ja einer der dienstältesten Darsteller, der bei der heutigen Generation noch bekannt ist und gleichzeitig den Porno in Deutschland mit gestaltet hat. Wie stellt sich für dich die Branche im Wandel der Zeit dar?

Dem Porno in Deutschland geht es zur Zeit nicht gut, aber das liegt eigentlich an den Leuten selbst, die Erotikfilmindustrie hat das selbst verbockt. Die Branche hat einfach die Zeichen der Zeit nicht erkannt und den Sprung ins Internet verpasst. Es waren einfach sehr viele in Entscheidungspositionen die gedacht haben, dass es sich bei dem „Internet“ nur um eine Modeerscheinung handelt. Rückblickend sind diese Denkweisen eigentlich unglaublich, da jeder mit einem normalen Menschenverstand sofort gemerkt haben müsste „Ups, das war es jetzt mit der DVD„!

Kommen wir mal zum aktuellen, vermeintlich größten Konkurrent dem sogenannten „Amateur-Bereich“. Amateure sind das ja eigentlich nicht. Jeder der mehr oder weniger seinen Lebensunterhalt damit verdient ist kein Amateur, sondern betreibt es professionell – ist also ein Profi. Amateur ist also nur ein Titel und ein Name der sich gut verkaufen lässt. Die Leute die bei den „Amateuren“ oben mitmischen, sind ja Leute aus der Porno-Branche, oder solche die in diese reingehören würden. Dem Konsumenten wird das amateurhafte praktisch als Trugbild vorgespielt. Mit echten Amateuren fing es damals an, aber das sind heute nur doch die Wenigsten. Die Mehrheit sind heute alles Profis, hinter denen ausgeklügelte Geschäftssysteme stehen.

Viele Studios in Deutschland produzieren kaum noch neue Filme und gleichzeitig existiert eine ganze Horde an „Laien-Darstellern“, die – wie es Harry S. Morgan mal sagte – „ihre Alte auf dem Küchentisch vögeln und mit dem Handy filmen„. Wie hat sich unter diesen Voraussetzungen für dich persönlich deine Arbeit verändert?

Der Konsument hat einfach das genommen, was ihm gerade auf diesem Vertriebskanal (Internet, Anm. d. Red.) angeboten wurde! Am Anfang war das ja ganz witzig und auch etwas neues, auf diese Art und Weise (z.B. das filmen mit dem Handy, Anm. d. Red.) Inhalte zu produzieren. Auf lange Sicht gesehen, will der Konsument aber wieder Pornos auf seinem großen Smart TV schauen, nicht vor einem kleinen PC-Monitor. Hier kommen wir wieder ins Spiel: Ich habe nun nicht mehr das Arbeitsmodell zu einem Dreh zu fahren, meine ein bis zwei Szenen zu machen und dann mein Geld zu bekommen. Jetzt treffe ich mich mit einer großen Community von ErotikfilmdarstellerInnen, welche relativ bekannt sind. Mit denen drehe ich den ganzen Tag Szenen ab. Dieses Material wird dann auf vielen Portalen gestreut. Für mich bedeutet dies, dass ich nicht mehr sofort mein Geld bekomme, sonder auf längere Sicht viel mehr Geld verdiene.

Im Interview: Jean Pallett (Foto: Jean Pallett)Ist damit die Zeit des klassischen Pornostar in Deutschland vorbei?

Das kommt darauf an wie du klassisch interpretierst. Die Zeiten, in den z.B. Videorama eine Vivian Schmitt, oder Inflagranti eine Jana Bach o.ä. aufbaut und rausbringt, sind definitiv vorbei! Aber: Bei den Amateur- oder auch Webcam-Girls gibt es mittlerweile ebensolche Stars, die von ihren Firmen für die sie arbeiten genauso aufgebaut und in Szene gesetzt werden, wie die Mädels damals von Videorama oder Inflagranti – um bei den Beispielen zu bleiben.

Das System ist das gleiche geblieben, nur der Name und der Anstrich haben sich geändert! Jetzt nennen sie sich halt nicht mehr Pornostars, sondern z.B. Webcam-Stars. Ich bin mir allerdings sicher: Wenn die DVD im Porno-Bereich endgültig eingestellt wird, werden sie sich diese Mädels ganz klassisch Pornostars oder Erotikstars nennen. Es ist nur eine Frage der Zeit!

Ich habe gehört, dass du fleißig dabei bist deine Biografie „Legenden sterben nie!“ zu schreiben. In welche Richtung wird sie gehen?

Ich bin der dienstälteste Darsteller in Deutschland. Der absolute Unterschied zu den Büchern die meine Vorgänger momentan schreiben (z.B. Chris Hilton, Anm. d. Red.) oder geschrieben haben (z.B. Pornfighter Long John, Anm. d. Red.) ist, dass ich durch diesen Umstand viel mehr Geschichten zu erzählen habe! Ich lache in meinem Buch eher über mich selbst, und stelle mich niemals als den „Oberficker“ dar. Ich verkaufe mich so, wie ich auch im wirklichen Leben bin. Manchmal eben ein bisschen tollpatschig, manchmal ein wenig naiv… und ich trampelte halt in den letzten 22 Jahren eben teilweise von einer Pfütze in die nächste. Diese ganzen Fettnäpfchen werden dann sehr eklig, blutig und zum Teil auch illegal! (lacht)

Ach, dass ist ja interessant… lass mal hören, zier dich nicht!

(lacht) Na gut. Es gibt ein Kapitel das heißt „Profis drehen auch mit Omas„. Ich habe also mit Mädels gedreht, die alle so um die 70 Jahre waren. Die eine spezielle Dame um die es geht war 76 Jahre alt. Oh man, das wird echt heftig… es ist einfach eine fürchterliche Geschichte gewesen! (lacht) Beim Doggy mit ihr bin ich versehentlich beim Vaginal-Verkehr rausgerutscht, und dann weiter oben wieder reingerutscht – anal! Aber die Dame hat sich weder akustisch bemerkbar gemacht, noch habe ich das selbst mitbekommen. Und weil ich bei Oma-Szene meistens in die Luft schaue um nicht zu sehen was unter mir abgeht, schreit auf einmal der Kameramann wie blöd „Cut, cut, cut!„. Ich schau nach unten und nehme in diesem Moment den beißenden Geruch von Kacke wahr, die mit jedem Stoß rausgespritzt war. Ich sah aus! Mein ganzes T-Shirt war gesprenkelt! Dies ist jetzt nur eine klitzekleine Geschichte, die im Buch zu finden sind! (lacht)

Weil wir gerade irgendwie beim Thema sind: Wie schafft man es als Darsteller sich auf den Punkt zu konzentrieren, bzw. bereit zu sein? Sich nach so vielen „Dienstjahren“ es noch immer schafft zu fokussieren, ohne chemische Waffen einzusetzen?

Im Interview: Jean Pallett (Foto: Jean Pallett)Die Chemie ist mittlerweile auch ein Thema bei den Darstellern. Jeder Profi-Darsteller der sehr viel dreht und behauptet, dass er nicht ab und an mal zur Chemiekeule greift, der lügt! Das unterstelle ich einfach mal jedem, der sich angesprochen fühlt. Denn es ist ganz einfach: Wenn uns etwas einfacher gemacht wird, dann wären wir ja doof, wenn wir darauf nicht in bestimmten Situationen zurückgreifen würden. Nur wenn man es immer macht, dann wirkt das Zeug irgendwann nicht mehr. Als 1997/98 Viagra auf den Markt kam, hatten wir ganz viele neue Darsteller in der Branche – die dann alle 1999 auch ganz schnell wieder weg waren.

Wenn du über Jahre hinweg drehst, bekommst du eine gewisse Routine in den Dingen. Dann geht deine Nervosität vorbei, du machst dein Ding, deine Arbeit. Du kennst die Abläufe, bist entspannt. Das hilft immens um sich fokussieren zu können! Erfahrung macht es eben. Das hat den Vorteil, dass du dann in der Regel auch keine Chemie brauchst.

Über deine kommende Biografie „Legenden sterben nie!“ haben wir ja eben bereits angesprochen… was planst du für dieses Jahr denn noch so?

Richtig, dass Buch soll dieses Jahr noch auf den Markt kommen. Das sieht auch sehr gut aus, Interessenten gibt es auch schon – da mache ich mir keine allzu großen Sorgen mehr. Aber das Buch ist und bleibt verständlicher Weise mein absolutes Hauptziel für dieses Jahr. Auch freue ich mich schon wieder auf die kommende Venus in Berlin!

Deine letzten Worte an die Fans?

It’s a dirty job, but somebody has to do it! Schaut doch mal auf meiner neuen Homepage jeanpallett.com vorbei. Ich freue mich!

Vielen Dank Jean Pallett für das Interview!

 

Filme mit Jean Pallett gibt es in der Erotic Lounge

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