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Porno in Deutschland: Reise durch ein unbekanntes Land

Kategorie: Erotik-Bücher | Mittwoch, 29. Dezember 2010 von Chris Heartcore
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Philip Siegel: Porno in Deutschland (Foto: belleville Verlag)TV-Journalist Philip Siegel hat mit „Porno in Deutschland“ sein erstes Buch überhaupt geschrieben, und man muss es nicht nur unter dem Bonus-Aspekt „Erstlingswerk“ in jeder Hinsicht loben! Fast ein ganzes Jahr lang hat er sich quer durch Deutschland auf Reisen begeben, um völlig unbedarft der inländischen Pornobranche auf die Spur zu kommen. Was er dabei herausgefunden hat, überraschte den Autor sicherlich nicht minder, als jeden anderen, der dieses Buch in die Hand nehmen wird.

Triebfeder für seine kolossale Recherche war dabei die Frage, warum sich all die Vorurteile über die Macher und Vertreiber von Erwachsenenunterhaltung bis heute so hartnäckig halten konnten. Brancheninterne und Interessierte wissen natürlich schon lange, dass ein regulärer Pornodreh auch ohne die russische Mafia und unter Drogen gesetzte Darstellerinnen auskommt.

Offensichtlich ist die breite Öffentlichkeit jedoch noch nicht in vollem Umfang davon überzeugt, was immer wieder durch einen fragwürdigen Jugendschutz und Porno-feindliche Statements deutlich gemacht wird. In der toleranten „Blase“ meiner Erotik-Redaktion war sogar mir die Fülle an Vorwürfen nicht gänzlich bekannt und die Passagen darüber folglich eine interessante Bereicherung. Die Erfahrungen, die Siegel dann an den zahlreichen Porno-Sets unserer Republik sammelt, führen die bekannten Vorurteile aber regelrecht ins Absurde.

Philip Siegel: Porno in Deutschland (Foto: belleville Verlag)Bei seiner akribischen Recherche hat er kein Genre des weltweit zweitgrößten Pornomarkts ausgelassen. Er ist besonders auf die deutschen Seh- und Drehgewohnheiten eingegangen. Beleuchtet werden u.a. Amateure aus Darmstadt, Dominas aus Dresden, Gays aus Berlin und Edelpornofilmer aus München. Siegel war auf der Erotikmesse Venus in Berlin, hat diverse Swingerclubs besucht, mit den üblichen Verdächtigen aus der Branche gesprochen (z.B. John Thompson, Vivan Schmitt, Harry S. Morgan, Nils Molitor etc.) und hat sich mit Internet-Pionieren ausgetauscht.

Dabei bleibt er stets professionell-sachlich und vergisst nicht, der Branche gelegentlich selbst den Spiegel vorzuhalten und in der einen oder anderen Wunde auch mal etwas tiefer zu bohren. „Schwarze Schafe“ werden gnadenlos bloßgestellt und so zerstreuen sich alle Gedanken über Voreingenommenheit.

Der wirkliche Gewinn dieses Buches ist aber, das sich langsam in den Berichten des Autors entwickelnde Fazit. Dieses stellt noch einmal alles ganz anders dar, als es sich wahrscheinlich sogar der größte Pornoverfechter selbst zurechtlegen könnte. Der zentrale Vorwurf, Porno sei vor allem frauenfeindlich und profitorientierte Männer würden sich auf Kosten der Frau bereichern, wird in grandioser Weise widerlegt. Die wahren Opfer des Pornos sind – ta ta ta! – die Männer. Sie lassen sich erniedrigen, reiben sich auf und stehen permanent unter (Leistungs-/Potenz-)Druck und: Sie würden auch noch dafür bezahlen!

Aber wen interessiert diese Erkenntnis in einer schwarz/weiß denkenden Welt schon wirklich…?


Mehr informationen zum Buch gibt es beim belleville Verlag.

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