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Nica Noelle: Männer stehen beim Porno unter Erfolgsdruck!

Kategorie: Interviews | Mittwoch, 13. Februar 2013 von Chris Heartcore
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Im Interview: Nica Noelle (Foto: Nica Noelle)Nica Noelle ist der beste Beweis dafür, dass immer mehr Frauen in der Erotikbranche den Fuß fassen und den Ton angeben: 2012 erhielt sie bei den Erotic Lounge Awards die Auszeichnung für die „Beste Regie„! Darstellerin, Regisseurin, Unternehmerin – Nica hat bis heute viele bewegt in der US-Pornobranche, eine echte Powerfrau. Zeit für uns, die sympathischen Fan Award-Gewinnerin zu einem Interview zu bitten!

Hi Nica, herzlichen Glückwunsch zum Erotic Lounge Fan Award 2012 für die „Beste Regie“! Hast du dich darüber gefreut?

Hi! Fan Awards sind mir am wichtigsten – ich war so begeistert und euphorisch als ich gehört habe, dass mir diese große Ehre zu teil wird! Es gibt in meinen Augen für meine Arbeit kein größeres Lob und Auszeichnung. Ich habe in diesem Jahr einige Preise der Erotikindustrie gewonnen, aber mein Erotic Lounge Award hat mich am meisten berührt – weil er eben von den Fans persönlich kommt und ihre Anerkennung ist, was für mich wirklich zählt.

Für alle, die deinen Namen jetzt durch die Awards das erste Mal hören sollten: Kannst du dich kurz selbst vorstellen und uns erzählen wie du auf den Regiestuhl gekommen bist?

Ursprünglich war ich freie Journalisten und Autorin für Magazine, aber ich hatte schon immer Interesse an der Erotikindustrie, habe sogar mal – als ich Twen war als Stripperin – gearbeitet. Also habe ich angefangen auch Artikel über die Erotikindustrie zu schreiben. Die Recherche für einen dieser Artikel führte zu meiner ersten Teilnahme an einem Fetisch-Film.

Dieser Film wiederum führte zu weiteren Aufträgen in der Erotikbranche, inklusive der Anfrage eines lesbischen Studios, welches mir einen Job als Creative Director anbot. Ich sagte zu und es gelang mir innerhalb eines Jahres eine hohe Reputation für diese Studio in der Branche aufzubauen. Das blieb natürlich auch anderen Firmen nicht verborgen und sie fragten bei mir an, ob ich auch für sie erfolgreiche Studios und Marken etablieren könne – bisher bin ich damit sehr erfolgreich! *lacht*

Ich glaube es funktioniert deshalb so gut, weil ich an meiner eigenen Philosophie festhalte. Ich habe eine genaue Vorstellung davon, wie mit einem Film verfahren werden soll – und dies deckt sich in den wenigsten Fällen damit, was sich am besten verkaufen würde! Ich denke mir immer: Wie würde in dieser Situation realer Sex aussehen und sich anfühlen? Dieses Gefühl versuche ich dann auch auf meine ZuschauerInnen zu übertragen.

Im Interview: Nica Noelle (Foto: Nica Noelle)Kannst du uns bitte ein wenig über deine eigene Ansprüche als Regisseurin erzählen?

Meine Ansprüche? Die DarstellerInnen haben ihre Arbeit zur Kunstform zu erheben und gleichzeitig müssen sie es zulassen können verletzlich sein – und sie müssen sich verpflichten vor der Kamera echten Sex zu haben! Gleichzeitig müssen sie professionell sein und gewillt, mit ihrem Co-Star zu arbeiten. Es ist nicht schlimm, wenn sie keine guten SchauspielerInnen sind oder unerfahren mit Dialogen – hier können wir mit ihnen arbeiten.anz wichtig ist jedoch ihre persönliche Einstellung zum Sex und ihrem Drehpartner.

Wie würdest du jemanden den Charakter deiner Filme beschreiben, der noch nie einen von dir gesehen hat?

In meinen Filmen agieren alltägliche Menschen in ihrem alltäglichen Leben… und ihre sexuellen Bemühungen und Kämpfe, welche eben auch zum Leben gehören. Egal ob wir uns zur falschen Person hingezogen fühlen, eine verbotene Affäre haben  (oder über eine ebensolche fantasieren), glücklich verheiratet oder Single sind – ich versuche Sex mit allen dazugehörigen Emotionen auf eine Art und Weise zu portraitieren, in der sich jeder Zuschauer wiederfinden kann. Die Körpersprache ist real, die Sexpositionen sind real, die persönlichen Konflikte und die Emotionen sind real.

Du hast ja beides schon gemacht: Sowohl Boy/Girl-Szenen, als auch Girl/Girl-Szenen. Gibt es da große Unterschiede für die Regie?

Natürlich gibt es einige Unterschiede, aber eigentlich überwiegen die Gemeinsamkeiten. Der Hauptunterschied ist eigentlich eher „technischer“ Natur: Männer müssen körperlich erregt sein um drehen zu können, sie können nicht in dem Maße etwas vortäuschen wie eine Frau – wenn diese es muss. Männer stehen da bei weitem unter einem größeren Druck und ich glaube nicht, dass viele Menschen realisieren, wie schwierig es für männliche Darsteller sein kann. Das ist übrigens auch der Grund, warum es nur eine handvoll an Top-Darstellern gibt – ein hübsches Gesicht wie bei weiblichen Darstellerinnen reicht hier bei den Männern noch lange nicht aus um in diesem Geschäft weiterzukommen.

Am Anfang war ich als Regisseurin ganz schön eingeschüchtert Männern zu sagen, wie sie Sex haben sollen. Ich hatte einfach Angst, dass es für sie zu offensive Kritik an ihrem Ego wäre, wenn eine Frau ihre Performance als falsch beurteilt. Aber ich war überrascht, dass es ihnen gefiel die Erlaubnis zu bekommen, echten Sex vor der Kamera zeigen zu dürfen – und nichts spielen zu müssen. Bis jetzt haben mir alle gesagt, dass sie dieser Umstand sehr erregt und es für sie persönlich ein authentisches, sexuelles Experiment war.

Was hat dich veranlasst, deinen Fokus mehr auf lesbische Pornofilme zu legen?

Ich habe angefangen lesbische Filme zu drehen, weil ich persönlich diese Art von Filmen immer geschaut und mich für sie interessiert habe. Wenn ich über die Beziehung von Männern und Frauen fantasieren möchte, dann lese ich erotische Literatur. Pornofilme zeichnen kein Bild vom Sex zwischen Männern und Frauen, welches ich erregend oder spannend finde – also interessieren sie mich auch nicht. Aber als ich mit meinen lesbischen Filmen sehr erfolgreich wurde habe ich mir gedacht: Warum versuchst du nicht auch Boy/Girl-Filme zu drehen und zwar so, wie du sie immer sehen wolltest, aber nie gefunden hast!

Im Interview: Nica Noelle (Foto: Nica Noelle)Du bist seit 2006 in der Erotikbranche. Wie hat sich die Arbeit seitdem geändert, was vermisst du heutzutage?

Ich glaube die wirklich größte Veränderung ist, dass die Fans jetzt in der Lage sind, über das Internet direkt Feedback zu geben oder selbst Filmkritik zu üben. Ich nenne es für mich immer „Die Ära der Fans“, weil sie das erste Mal in der Geschichte des Pornofilms eine Stimme haben. Sie haben nicht mehr einfach den ganzen Müll zu schlucken, der ihnen vorgeworfen wird. Als Resultat daraus kann man mehr Kreativität und Einfallsreichtum im Pornofilm beobachten – Produzenten sind gezwungen ihr Bestes zu geben, sonst werden sie nicht überleben können.

Da Fans heutzutage an jeder Ecke im Internet Pornos umsonst schauen können, sollte – wenn man sie bittet dafür Geld zu bezahlen – das Produkt dieses Geld auch wert sein. Natürlich ist die Film-Piraterie auch in der Erotikbranche ein sehr großes Problem, aber gleichzeitig hat es die Erotikbranche auch gezwungen sich anzustrengen und ihre Produkte zu verbessern, um ihre Fans zu halten – und das ist das Gute daran.

Es ist typisch, dass Zeiten ökonomischer Rezession und Depression meist in eine Art „kulturelle Renaissance“ münden. Sie zwingen die Menschen zur Kreativität und ihre Einstellung zu ihrer Arbeit und Kunst zu überdenken, sie trauen sich neue Wege zu gehen, um diese Zeiten erfolgreich zu überstehen. Und wenn sie ihren Job verloren haben, dann haben sie vielleicht den Mut in andere Berufszweige zu gehen, an die sie zuvor nie gedacht haben, welche ihnen aber Beschäftigung bieten.

Ich denke, dass konnte man sehr gut in den letzten Jahren in der Erotikbranche beobachten: Viele Kreative, Künstler und tolle Leute kommen wegen der Chancen, die ihnen ihre eigentlichen Berufsfelder nicht mehr bieten können – und die Erotikbranche profitiert davon.

Kannst du uns verraten, welche DarstellerIn und welche RegisseurIn du am meisten magst – und warum?

Oh, das ist unfair! *lacht* Jelena Jensen ist eine außergewöhnliche lesbische Darstellerin. Faye Reagan ist einfach exquisit und hochgradig einzigartig. Dyanna Lauren ist bei weitem die hübscheste und machtvollste Darstellerin, welche ich je miterleben durfte. Samatha Ryan gibt sich nie mit einer halbherzigen Performance zufrieden – egal ob sie mit Männern oder Frauen dreht.

Als beste amerikanische Darsteller sehe ich für mich James Deen, Marcus London und Mark Davis. Sie alle verkörpern in ihren Filmen einfach eine Präsenz, die einen sprachlos macht. Großartige erotische Darstellungen sind definitiv eine Kunstform, und manche Menschen sind wirklich begnadet.

Welchen Ratschlag würdest du jungen Frauen geben wollen, wenn sie in der Erotikbranche als Darstellerin anfangen wollen?

Lass dich nicht von Schwachsinn beeindrucken! Ich kann dir gar nicht sagen wie viele interessante, einzigartige Frauen unter der Prämisse anfangen, eine stilvolle, künstlerische Karriere zu starten – um dann innheralb weniger Monate, mit gefärbten Haaren und „Hello Kitty“-Aufklebern auf ihren falschen Acryl-Fingernägeln  rumzulaufen und jede Rolle anzunehmen, die ihnen angeboten wird. Ich habe von ausnehmend hübschen bis zur gewöhnlichen Durchschnitts-Frauen alles gesehen – meist dauert die Veränderung nur ein paar Monate, weil sie sich zum „Porn Star Makeover“ entschlossen haben.

Diese Branche kann Frauen, welche keine starke Persönlichkeit und innere Integrität haben, einfach verschlucken. Wenn du eine große Karriere haben und dich bei dem, was du tust, gut fühlen möchtest, dann sei verdammt noch einmal wählerisch und suche deine Projekte weise aus. Wenn du dich vom Geld verführen lässt, wirst du sehr schnell ausgebrannt sein.

Danke Nica für deine Zeit und das Interview. Alles Gute!

Danke dir, und vielen Dank noch einmal an alle meine Fans!

 

Filme mit und von Nica Noelle gibt es in der Erotic Lounge

EIN KOMMENTAR

  1. avatar eddywho

    Ein kluges und vielversprechendes Interview einer Macherin mit Herz und Kopf – hiervon bruacht die Branche mehr Frauen!

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