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Im Interview: John Stagliano, Teil 2

Kategorie: Interviews | Mittwoch, 11. Mai 2011 von Chris Heartcore
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John Stagliano (Evil Angel) im Erotic Lounge Interview (Foto: Chris Heartcore)Wie versprochen reichen wir euch den zweiten Teil des Interviews mit John Stagliano nach. Der Gründer des US-Labels „Evil Angel“ spricht diesmal über den Wandel der Thematiken in Erotikfilmen, über die Kunstform des Pornos und über seine persönliche Zukunft. Den zweiten Teil des Interviews und den Videclip gibt es wie immer hier…

Glaubst du, dass sich die Themen in den Filmen der Gegenwart von denen in der Vergangenheit unterscheiden?

In der Vergangenheit gab es wenig Analsex in den Filmen zu sehen. Normale Typen wie z.B. ich waren schon sehr glücklich, wenn überhaupt eine Frau zu uns sagte: „Ja, ich will mit dir Sex haben!„. Aber dann kamen Typen wie Rocco Siffredi oder auch Max Hardcore um die Ecke, die nicht nur glücklich darüber waren sich einfach hinzulegen und sich damit zufrieden zu geben. Sie zogen z.B. an den Haaren und lenkten die Aktionen der Girls wie sie es wollten. Bei ihnen hatte man das Gefühl, dass sie wirklich harten Sex mit diesem Girl wollten – und es nicht nur für die Kamera spielten.

John Stagliano (Evil Angel) im Erotic Lounge Interview (Foto: Chris Heartcore)Ich persönlich mag z.B. Analsex und hatte auch einige Male welchen mit meinen Freundinnen in den 80ern. Aber Rocco Siffredi liebt diese sexuelle Spielart. Er bringt die Mädels auf ein ganz anderes Level, es ist echte Leidenschaft dabei. Als normaler Typ steht man dann dabei und hat keine Ahnung was gerade ab geht. Dann habe ich aber einfach gesagt: „Mach wie du es willst, ich folge dir einfach mit der Kamera!„. So habe ich immer mehr über Sex gelernt, denn da draußen gibt es so viele Menschen die darüber so viel mehr wissen wie ein normaler Typ wie ich es bin über Sex weiß.

Du sprachst bereits über „Kinky“-/Fetisch-/BDSM-Leute hier in Berlin. Unterscheidet sich diese, bzw. die europäische Subkultur von der in den USA?

Es gibt viele kinky Leute in den USA. In den USA haben wir San Francisco und New York als Ballungsraum, in Deutschland ist es für mich Berlin. In allen Städten trifft man Leute die offener und experimentierfreudig sind. Berlin ist für mich in Deutschland der Ort, wo man am meisten man selbst sein kann ohne Angst haben zu müssen, dass die Menschen dich als Perversen verurteilen.

Die Kunstform der Sexualität entwickelt sich an einem solchen Ort und in dieser Konstellation maßgeblich, denn du hast viele unterschiedliche Leute jeglicher Gesellschaftsschichten welche sich aber alle für die gleiche Sache interessieren. Dadurch erhält man eine viel höhere Bildung in der Subkultur. Deshalb liebe ich es nach Berlin zu reisen.



Du sprichst von der Kunstform der Sexualität. Ist die Darstellung der Sexualität in deinen Filmen für dich Kunst?

Ist die Darstellung von Sex in meinen Filmen Kunst für mich? Ja, sie ist es. Warum? Ich habe für mich eine sehr klare Definition was Kunst ist. Kunst ist für mich die Auswahl von Dingen aus der realen Welt und deren Isolation. Darauf fokussierst du dich. Konkret: Du fokussierst dich auf eine Frau, welche sich selbst auf eine andere sexuelle Ebene bringen möchte, die z.B. härteren Sex sucht und Spaß daran hat dies auch zu zeigen. Alles was du dann in deinem Script und der Story machst, arbeitet nur auf ein Ziel hin: Diese Situation herauszustellen, oder ihre Reise dorthin zu dokumentieren. Die „Geschichte der O“ entspricht z.B. genau dieser Reise zu einer anderen Ebene.

In Pornofilmen ist es interessant jemand zu sehen, der Neues entdecken und ausprobieren möchte. Wenn diese Person es wirklich von sich aus will, dann wird es super aufregend. Wenn die Frau daran kein Interesse hat, dann sollte man den Film besser nicht verwenden, bzw. ist sie nicht die richtige Person für diesen Job. Ich versuche also auf das in meinen Filmen zu fokussieren, was den Sex in dieser Situation ausmacht und versuche dies für den Zuschauer zu transportieren – und das ist für mich daran die Kunst.

John Stagliano (Evil Angel) im Erotic Lounge Interview (Foto: Chris Heartcore)Glaubst du, dass der Sex in der Gesellschaft sich von der liberalen sexuellen Freizügigkeit zurück zum sexuellen Konservatismus entwickelt?

Das ist eine wirklich gute Frage! Die Demografie in der Welt verschiebt sich. Die Menschen werden immer älter. Junge Leute wollen aber ausprobieren und sich entdecken. Viele ältere Menschen die z.B. in der Politik sind möchten der folgenden Generation jedoch vorschreiben, wie sich zu verhalten hat. Vielleicht hat auch der Babyboom, also meine Generation, nach dem zweiten Weltkrieg darauf Einfluss. Viele von uns denken mittlerweile „alt“.  Natürlich steht nicht fest wohin sich die Anschauung in der Gesellschaft entwickeln wird, aber die jüngere Generation sollte viel mehr für ihre eigene Freiheiten kämpfen!

Wenn wir gerade bei der Zukunft sind: Die Zukunft des Pornos ist für dich…?

Ich habe nie deshalb einen Film pro Monat gemacht um damit irrsinnig viel Geld zu verdienen – es hat einfach sehr viel Spaß gemacht z.B. die „Buttman„-Reihe zu drehen. Aber jetzt, ich hasse mich selbst dafür dies sagen zu müssen, ist es mir langweilig geworden die gleiche Idee immer und immer wieder zu wiederholen. Ich möchte in der Zukunft mehr  Feature-Filme und größere Filme machen. Nicht jedes Jahr, aber kontinuierlich. Ich möchte für mich persönlich eben auch neue Herausforderungen haben…

Danke, John Stagliano für das Interview, alles Gute und weiterhin viel Erfolg!


Filme von John Stagliano und Evil Angel gibt es in der Erotic Lounge

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