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Im Interview: John Stagliano, Teil 1

Kategorie: Interviews | Dienstag, 3. Mai 2011 von Chris Heartcore
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John Stag 01 Im Interview: John Stagliano, Teil 1John Stagliano gehört zweifelsohne zum Urgestein der internationalen Erotikbranche. Er gründete das erste weltweit erfolgreiche Porno-Studio “Evil Angel“, verhalf u.a. Rocco Siffredi zum Durchbruch und schuf mit ihm zusammen das in der Pornoindustrie bis dahin unbekannte Genre des “Gonzo“. Im ersten Teil des exklusiven Erotic Lounge Interviews spricht er über die Anfänge und seine Verbindung zu Deutschland. Das Interview und den Videoclip dazu gibt es hier…

Hi John!

Hi!

Kannst du uns ein wenig über deinen ersten Besuch in Deutschland erzählen?

Klar! Das erste Mal dass ich Deutschland besuchte war 1990. Ich war in diesem Jahr auf einer Messe in Italien und bin auf dem Rückweg nach München gefahren. Ich erinnere mich daran, dass ich eigentlich zu den Bordellen wollte – aber das stellte sich für einen John Stag 02 300x200 Im Interview: John Stagliano, Teil 1Ortsungkundigen als recht schwierig heraus und es gibt gefährliche Ecken. Doch dann traf ich einen Taxifahrer, der einige Zeit in den USA gelebt hatte, und er zeigte mir für Touristen sichere Orte. Um vier Uhr morgens haben wir dann noch zusammen eine Bratwurst mit Senf gegessen. Das hat echt Spaß gemacht.

Ich bin dann weiter nach Frankfurt und habe mir die Mädels im Rotlichtviertel angeschaut, und auch in Hamburg habe ich der Reeperbahn einen Besuch abgestattet. Das war sehr interessant – vor allem auch die Videotheken. In Amerika bekommen wir nicht viele deutsche Filme zu Gesicht. Ich habe wirklich viel härteren Sex in diesen Filmen gesehen. Sex, der mit einer etwas anderen Mentalität dargestellt wird.

Das war wirklich sehr, sehr spannend für mich, weil ich viele unterschiedliche Ideen in meinen Pornofilmen abbilden möchte. Die Filme in den Videotheken in Deutschland von 1990 unterschieden sich wirklich von amerikanischen Titeln. Du konntest Natursekt und viele verrückte Sachen sehen – auch besseren Analverkehr. Das gab es in Amerika zu diesem Zeitpunkt nicht. Es war ein komplett anderes und neues Gefühl, was mir sehr geholfen hat mit meiner Arbeit zu wachsen. Das hat mich wirklich beeinflusst.

Du hast eine besondere Beziehung zu Berlin…

Ja, ich habe hier den zweiten und dritten Teil von  dem Film “Fashonistas – Safado” gedreht. “Safado” ist ein brasilianischer Ausdruck für “böser Junge”. Ich habe mir Berlin deshalb ausgesucht, weil ich auf der einen Seite gerne Fetisch und auf der anderen Seite harten Sex zeigen wollte. Ich hatte überlegt in London zu drehen. London ist zwar sehr gut beim Fetisch-Design, aber sie sind dort nicht so freizügig was den Sex angeht. Und es wäre viel, viel teurer gewesen.

Berlin ist eine großartige Stadt, seit der Osten und der Westen wieder vereint sind. Die Mieten sind nicht zu teuer und es gibt in Ost-Berlin ein paar Lokalitäten, die wirklich sehr interessant sind und auch nicht zu viel kosten. Aber natürlich hat mich auch die Mentalität der Menschen hier in Berlin dazu bewogen, den Film in der Hauptstadt zu drehen.

Gibt es einen generellen Unterschied Filme hier in Europa oder in den USA zu drehen?

Für mich ist es natürlich viel schwieriger und teurer in Europa einen Filme zu drehen. Englisch ist z.B. nicht die Muttersprache von den Leuten mit denen ich zusammen arbeite. Meine Ressourcen auf die ich in Los Angeles zurückgreifen kann sind viel größer, aber hier nicht verfügbar. Das gestaltet die Sache dann schwieriger…

John Stag 03 300x200 Im Interview: John Stagliano, Teil 1Kannst du uns ein wenig drüber erzählen, wie du mit “Evil Angel” angefangen hast?

“Evil Angel” ist der Name den ich mir als Herausgeber ausgesucht hatte, als ich in der Porno-Branche angefangen hatte. Ich habe 1982 eine kleine Porno-Zeitung verlegt. Bevor ich jedoch damit angefangen hatte versuchte ich mich bereits als Porno-Darsteller. Aber ich war echt nicht gut darin, denn ich habe eigentlich einen ziemlich kleinen Penis, der manchmal auch keine Errektion bekommen will. Hinter der Kamera bin ich dafür jedoch umso besser. Ich rief also die Idee “Evil Angel” ins Leben. Ich wollte etwas kreiieren und ein Unternehmer sein.

Also habe ich 1982 dieses kleine Magazin auf den Weg gebracht. Zur gleichen Zeit hielt der Videofilm Einzug. Ich kannte ein paar Leute die Videos produzierten – was viel billiger war als einen Film zu drehen. Also macht ich auch ein Video, was natürlich sehr schlecht wurde. Aber ich lernte dadurch von Video zu Video. 1989 habe ich dann unter dem Namen “Evil Angel” meine Produktionsfirma gestartet, weil ich alle Rechte an meinen Filmen besitzen möchte und sie deshalb auch selbst verkaufen will.

Mittlerweile ist “Evil Angel” ja ein Konklomerat aus vielen Regisseuren…

Ich habe diese Art von System begonnen, als ich mit Regisseuren zusammen arbeitete die ich kannte  – wie z.B. Rocco Siffredi, Joey Silvera, Chtristoph Clark. Sie besitzen alle Rechte an ihren Filmen, ich vertreibe nur ihre Filme. Sie sind total frei in ihrer Produktion, ich sage ihnen nicht was sie zu tun haben. Natürlich unterhält man sich darüber, aber es läuft viel besser wenn sie ihre kreative Freiheit haben. Das kommt auch bei ihren Fans besser an. Viele Studios kontrollieren ihre Regisseure, aber bei mir ist das alles viel freier gestaltet.

Danke, John!


Filme von John Stagliano und Evil Angel gibt es in der Erotic Lounge

  1. John Stagliano (Evil Angel Productions) gewinnt Prozess in den USA
  2. Im Interview: Harry S. Morgan, Teil 1
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