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Im Interview: Harry S. Morgan, Teil 1

Kategorie: Interviews | Dienstag, 15. Februar 2011 von Chris Heartcore
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Erotikregisseur Harry S. Morgan im Erotic Lounge Interview (Foto: Chris Heartcore)Er gehört zu Deutschlands bekanntesten und erfolgreichsten Regisseuren und Produzenten von Pornofilmen: Harry S. Morgan. Erotikstars wie Gina Wild oder Vivian Schmitt gründen ihre Erfolge zum Teil auf ihrer Arbeit mit ihm. Er ist ein Urgestein des deutschen Erotikfilms, ist sich über die Jahrzehnte immer treu geblieben und bildet mit dem Essener Label „Videorama“ eine untrennbare Einheit. Auf der Venus 2010 haben wir Harry S. Morgan zum Interview getroffen. Den ersten Teil des Interviews und den Videoclip dazu gibt es hier…

Herr Morgan, Sie sind jetzt schon so lange dabei: Was hat sich, bzw. wie hat sich die Erotik-Industrie verändert?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Ich bin jetzt 33 Jahre dabei. Vor 33 Jahren gab es eine Zeit, da war Pornografie eine Goldgrube. Man machte einen Film, zeigte ihn in einem Kino. Acht Tage später fuhr man mit der Schubkarre hin und holte die DM-Stücke ab. Man war richtig reich. (lacht) Heute gibt es ungefähr 300 Millionen Porno-Seiten im Internet. Heute darbt man finanziell eher, es ist ganz schwierig geworden.  Die Porno-Industrie wie sie früher einmal war, gibt es heute nicht mehr.

Regisseur Harry S. Morgan im Erotic Lounge Interview (Foto: Chris Heartcore)Weil sie gerade das Internet ansprechen: Wo sehen sie die Vorteile und wo die Nachteile des Mediums für die Porno-Industrie?

Das Hauptproblem für den User/Endverbraucher ist, dass er nicht mehr weiß wo er überhaupt klicken soll. Wo gehe ich hin? Man muss es schaffen, ihm wieder etwas wie „Leitlinien“ zu geben – einen Star-Namen, oder den Namen eines Produzenten. Nach dem Motto: Den kenn ich, da klicke ich drauf und weiß wenigsten was ich bekomme. Ansonsten hat das Internet nur den Vorteil, dass alle Fetische dieser Welt befriedigt werden. Damit kann man aber leider kein Geld verdienen.

Momentan scheint in Deutschland ja die Zeit der großen Erotikstars vorbei zu sein,  große Ikonen wie in Amerika gibt es nicht mehr. Was könnte der Grund dafür sein?

Wir haben in Deutschland ja nie so DEN Star gehabt wie in Amerika. Es gibt Ausnahmen wie Teresa Orlowski oder Gina Wild – vielleicht auch noch ein bisschen Vivian Schmitt. Das ist so dieser Persil-Effekt: „Ich habe immer mit diesem Waschmittel gewaschen und ich bin froh dass es das noch gibt – also entscheide ich mich dafür.“  Normaler Weise sind die Deutschen eher auf Szenen oder Genres geeicht. Der Deutsche sucht eher nach Thematiken. 86% aller Deutschen möchten gerne Anal-Verkehr sehen. Sie suchen also speziell danach.

 

Sie haben ja vor kurzem ihre Biografie „Harry S. Morgan: Der Meister der Pornografie“ vorgelegt. Was war für Sie der Grund das Buch zu veröffentlichen?

Ich bin von einem jungen Autor angesprochen worden, der wie ich aus Düsseldorf kommt. Ich habe ihn mitgenommen zu einem Dreh und dort kam mir dann die Idee, dass er mal etwas darüber schrieben sollte wie es bei so einem Porno-Dreh überhaupt ist. Das ist ja eigentlich genau die Sache, welche die Leute interessiert. Wie dreht man einen Porno? Was passiert dort? Und in dieser Situation habe ich dann auch angefangen über mein Leben zu erzählen, z.B. wie war der Dreh vor zwanzig Jahren? Anekdoten eben. Solche Dinge habe ich dann in dem Buch veröffentlicht. Das ist für die Leute interessant denn keiner weiß ja, dass es das jemals gegeben hat. Die alten Zeiten waren eben sehr aufregend und spannend, ja sogar verboten. Mein Gott, wir haben hinter verschlossene Türen gedreht!

Regisseur Harry S. Morgan im Erotic Lounge Interview (Foto: Chris Heartcore)Sie sagen gerade, dass die alten Zeiten vorbei sind. Quo vadis Pornoland?

Ich glaube, dass ich als letzter Überlebender noch ziemlich kämpferisch drauf bin. Ich stelle in letzter Zeit auch fest, dass die Leute wieder anfangen Qualität zu suchen. Sie kaufen sich einen teuren Fernseher, und müssen sich dann irgendwelchen Schrott ansehen. Wenn dann jemand kommt der sagt: „Ich habe einen guten Film gemacht, die Bilder sehen toll aus, wir haben das auch in HD gedreht…“ dann gefällt es den Leuten. Ich denke es gibt zwei Situationen: Auf der einen Seite die schnellen Downloads über das Internet. Das kann man z.B. auch mit dem Handy drehen. Auf der anderen Seite die hochwertigen Qualitätsfilme die immer laufen werden. Es wird immer Interesse an guter Qualität geben. Wenn ich eine tolle Frau habe, die super aussieht und die vögelt wie ein Tier… und sie kriegt einen Orgasmus und das sieht dann auch noch schick aus… dann sagen die Leute: „Geil, dass will ich sehen!“

Danke, Herr Morgan!


Filme von Harry S. Morgan gibt es in der Erotic Lounge

4 KOMMENTARE

  1. avatar Frank

    Super Interview !

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  2. avatar Chris Heartcore

    Hi Frank, danke!

    Dran bleiben: Teil 2 kommt bald ;o)

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  3. avatar Nightbloom

    Da kann ich mich dem Frank und nach dem Lesen dem Harry auch nur anschließen.
    Es hätte mich auch stark gewundert wenn er nicht diese Gedankengänge zur Entwicklung der Pornoindustrie gebracht hätte.
    De facto ist es einfach so und seine abschließende Aussage bringt es auf den Punkt:

    Qualität vor Quantität! Das wird sich bestimmt mehr und mehr herauskristallisieren.

    Beste Grüße

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  4. avatar Blacky

    Auch ich schliesse mich der letzten Aussage an.
    Eine Kleinigkeit würde ich mir noch wünschen:
    Wenn jetzt noch ein bisschen vernünftige Handlung dabei wäre, dann boomt die ganze Sache 🙂

    LG Blacky

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