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Alles über Porno! – Die Szene zwischen Internet, High-End, Reality & Alternative

Kategorie: Erotik-Bücher | Donnerstag, 29. Juli 2010 von Chris Heartcore
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Alles über Porno! – Die Szene zwischen Internet, High-End, Reality & AlternativeMit „Alles über Porno!“ liefert Subkulturkenner Marcel Feige ein brandaktuelles Nachschlagewerk in Sachen Porno ab, dass es so in deutscher Sprache noch nicht gegeben hat. Besser bekannt ist besagter Autor eigentlich für seine Thriller, Krimis und Romane. Ganz offensichtlich hat er sich in den Jahren seiner Tätigkeit als Szenejournalist aber genügend mit der Pornobranche vertraut gemacht, um ein Buch zu schreiben, das Maßstäbe setzt.

In unzähligen Interviews hat Feige fast alle zu Wort kommen lassen, die momentan in der Branche etwas bewegen. Dabei hat er sich keineswegs auf das schwierig zu lesende und schnell ermüdende Frage-Antwort-Schema beschränkt. Er lässt hingegen die Interviewten scheinbar selbständig antworten, was sich angenehm wie ein flüssig geschriebener Bericht lesen lässt. Verständlich und gut, dass dabei nicht alle Beteiligten gleich viel „zu erzählen“ haben.

Die Auswahl der Interviewpartner spiegelt den Fokus des Buches wider, der eben nicht nur – wie so oft – einen oberflächlichen Blick hinter die samtig-roten Kulissen der Erotikbranche geben will. Hier geht es vor allem darum eine Momentaufnahme der Pornoindustrie abzuliefern, welche sich im wahrscheinlich größten Wandel seit ihrem Bestehen befindet.Alles über Porno! – Die Szene zwischen Internet, High-End, Reality & Alternative Dieser Umstand macht das Buch gleichermaßen für den normalen Leser, als auch für Profis und Szenegänger wahrscheinlich am interessantesten.

So äußert sich z.B. Regisseur Nils Molitor, Chef und Sohn des Gründers von Magmafilm, über die Zusammenhänge von filmtechnischen Neuerungen in Abhängigkeit von der Pornoindustrie (Stichwort: HD-TV und HD-DVD). Fetischfilmer AlexD hingegen erklärt, warum seine Nischenprodukte, oder die Filme des Labels Inflagranti, sich dem momentanen Abwärtstrend der sonstigen Pornoproduktionen widersetzen. Schließlich dürfen mit Jürgen Brüning und Petra Joy die VertreterInnen des sogenannten „Alternative Porn“ ihre persönlichen Lösungswege aus der Pornomisere anbieten (mehr Authentizität und mehr Tiefe in der Handlung), und auch Pornoamateure und Darsteller dürfen ihren Beitrag zum Boom des „Reality Porn“ schildern.

Insgesamt betrachtet ist das Buch daher eine wirklich runde Sache. Dabei hilft, dass es keine zusammenhanglose Aneinanderreihung von Interviews und eine oberflächliche Betrachtung einer doch schon ziemlich gut dokumentierten Branche ist. Diese durchweg stimmige, seriöse Abhandlung schafft Erkenntnisse, die sich einfach niemand entgehen lassen sollte.

„Die Antwort auf schlechte Pornos sind nicht keine Pornos, sondern bessere Pornos.“, Annie Sprinkle

In diesem Sinne: Unbedingt empfehlenswert!

Das Buch ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen.

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