Ärger im Paradies: Das „Porn Valley“ vor dem Ende?

Kategorie: News | Donnerstag, 9. Juni 2011 von Chris Heartcore
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Ärger im Paradies: Das "Porn Valley" vor dem Ende? (Foto: Erotic Lounge)Es ist noch gar nicht lange her, dass das „Porn Valley“ von einem positiven HIV-Test erschüttert wurde. Dieser einmalige Zwischenfall schwebt nun anscheinend wie das Damoklesschwert über dem Kopf der US-Porno-Industrie, denn die Behörden der Stadt Los Angeles haben sich regulierend in die Frage der „Arbeitssicherheit“ am Set eingeschaltet (wir berichteten). Führende Erotikstars und Regisseure sehen bei den nun angestrebten behördlichen Maßnahmen die gesamte Existenz des „Porn Valley“ in Gefahr!

Kurzer Rückblick: Die “AIM Healthcare Foundation” beteuerte nach bekanntwerden des positiven HIV-Tests zuerst, dass die vorhanden Gesundheitskontrollen und Selbstkontrollen der DarstellerInnen durch die Industrie zuverlässig funktionieren würden, dann gab es bei AIM selbst einen Datenskandal bei dem Daten von Porno-DartsellerInnen auf die Internetplattform „Porn Wikileaks“ gelangten. Mittlerweile wurde die Organisation geschlossen und die Behörden der Stadt Los Angeles schalteten sich in die Gesundheitsaufsicht für die Branche ein.

Die Stadt Los Angeles, vertreten durch die Cal/OSHA (Division of Occupational Safety and Health), macht jetzt anscheinend ernst und hat bei einen Meeting mit Branchen-Vertretern einen Maßnahmenkatalog für den zukünftige Schutz der DarstellerInnen am Set vorgelegt, welcher per Gesetz verordnet werden soll. Dieser sieht u.a. den Gebrauch von Kondomen, Lecktüchern („Dental Dam“), Einmalhandschuhe, Augenschutz u.ä. mechanische Barrieren bei zukünftig jedem Pornofilm für die DarstellerInnen vor, kurz: Es soll auf mechanische Weise der Kontakt mit jeglicher Körperflüssigkeit unterbunden werden, welche eine Infektions-Risiko darstellen könnte. Ein bloßer Gesundheitstest soll nach den Plänen der Cal/OSHA nicht mehr ausreichend für die Porno-Industrie sein.

Kein Wunder, dass das Meeting mit fast 100 DarstellerInnen, Regisseuren und Produzenten sehr hitzig geführt wurde. Die ganzen Befürchtungen und Auswirkungen welche die Porno-Industrie in diesem Gesetz sieht formulierte Regisseur Eli Cross (u.a. Elegant Angel, Adam & Eve) wie folgt: „Ich mache dies jetzt seit 21 Jahren. Es hat als Untergrund-Industrie angefangen, und es wird wieder zur Untergrund-Industrie werden, wenn ihr [Cal/OSHA] weiter die eingeschlagene Richtung verfolgt und beabsichtigt, Barrieren anstatt Tests einzuführen. Verordnet gesetzlich Test und lasst uns unsere Arbeit machen. Beschließt einen zweiwöchigen Test-Rhythmus, verfügt dass die Produzenten die Kosten dafür tragen müssen: Großartig, hervorragend! Aber gesetzlich vorgeschriebene Barrieren werden sich nicht durchsetzen. Ihr gefährdet damit die Gesundheit der DarstellerInnen viel mehr, als dass ihr sie mit diesen Maßnahmen schützen werdet. So einfach ist das. Das Geschäft wird weitergehen, und es wird im Untergrund weitergehen.

Wenn ihr [Cal/OSHA] uns wirklich helfen wollte wie ihr gesagt habt, wenn ihr die DarstellerInnen wirklich schützen wollte wie ihr gesagt habt, und wenn es wirklich nicht euer Ziel ist die Porno-Industrie aus Kalifornien zu verdrängen – was die Meisten von uns jedoch glauben – dann müsst ihr regelmäßige Tests den mechanischen Barrieren vorziehen… denn Barrieren werden sich in der Realität nicht durchsetzen.

Ähnlich äußerte sich auch Porno-Legende Nina Hartley, und auf Twitter äußert sich Erotikstar Jessica Drake wie folgt (chronologisch von oben nach unten lesen): „Eine Sache dürfte klar sein: Wenn wir nicht für uns selbst aufstehen & uns gegen die Lügen/falche Vorstellungen von Leuten wie AHF [AIDS Healthcare Foundation] & Shelly Lubben [Anti-Pornografie-Aktivistin] verteidigen, sind wir erledigt. Dies ist unser Job, unsere Zukunft. Es geht um unsere Körper, unsere Rechte, unsere Entscheidungen, unsere Realität… wo bleibt also unsere Stimme in der ganzen Diskussion? Erlaubt mir meine Position zu verdeutlichen: Ich persönlich drehe ja nur mit Kondomen, aber ich stimme NICHT mit der Regierung überein, dass sie diese Entscheidung für mich treffen darf. Danke für eure Aufmerksamkeit. *steigt von der Seifenkiste*

Erotikstar Jessica Drake auf Twitter (Screenshot: Twitter/Jessica Drake)

Auch wurde mehrfach bemängelt, dass wegen einem positiven HIV-Fall, der mittlerweile nachweisbar außerhalb der Industrie infiziert, aber durch die Selbstkontrollen selbiger entdeckt wurde, eine ganze Branche unverhältnismäßig unter Generalverdacht gestellt würde.

Viele befürchten nun, dass Studios ihren Standort verlegen könnten und an anderer Stelle produzieren werden. Die milliardenschwere US-Porno-Branche erwartet bei einem möglichen Gesetz auf der Basis der momentanen Maßnahmen erhebliche Umsatzeinbußen – was das Aus für das „Porn Valley“ bedeuten könnte. Hinter vorgehaltener Hand sehen viele dies als einzigen Grund für ein solches Gesetz an: Der Bundesstaat Kalifornien veranstalte eine Hexenjagd und wolle damit die Porno-Industrie absichtlich schädigen und verdrängen.

Das San Fernando Valley in Kalifornien ist nämlich nicht nur Heimat großer Hollywood-Studios wie z.B. Universal, Walt Disney oder Warner Bros., sondern seit den 1970er Jahren auch das Zentrum der amerikanischen Pornofilmindustrie (was dem Tal zusätzlich die Namen “Silicone Valley“, “Porn Valley” und “San Pornando Valley” einbrachte). Über 200 Studios drängen sich in dem Tal im nordwestlichen Teil der Stadt Los Angeles.

Den Maßnahmenkatalog für gibt es für alle Interessierten hier.


Filme gibt es ganz “safe” in der Erotic Lounge

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